Berufliche Philosophie

Aufgrund meiner Ausbildung in Skills-Training verwende  ich auch Bestandteile davon in meiner Arbeit, beispielsweise Achtsamkeitsübungen. Das Konzept der Achtsamkeit ist in meiner Arbeitsweise und beruflichen Haltung insgesamt von Bedeutung, daher bilde ich mich in diesem Bereich speziell weiter.

Zu meiner therapeutischen Haltung zählt der Ansatz, in vermeintlichen Schwächen die Stärke zu erkennen. Die nachfolgende Geschichte verdeutlicht diese Sichtweise …

Philosophie Hypnose-Psychotherapeutin Doris Schenkenberger - Foto © Hypnose-Psychotherapie Doris Schenkenberger

Die Geschichte vom „gesprungenen Krug“

Es war einmal ein Wasserträger, auf dessen Schultern ein schwerer Holzstab ruhte. An diesem war links und rechts je ein großer Wasserkrug befestigt. Einer der beiden Krüge hatte einen Sprung. Der andere war unversehrt. Mit ihm konnte der Wasserträger am Ende seines langen Weges vom Brunnen in das Dorf eine volle Ladung Wasser abliefern. In dem gesprungenen Krug aber war immer nur die Hälfte des Wassers übrig, wenn der Träger im Dorf ankam.

Der unversehrte Krug war stolz auf seine Leistung. Ganz anders der Krug mit dem Sprung: Er schämte sich. So fasste er sich eines Tages ein Herz und sprach zum Wasserträger: „Ich schäme mich so sehr, weil ich die gewünschte Leistung nicht erbringen kann. Wie sehr auch immer ich mich bemühe, das Wasser zu halten – es rinnt einfach durch den Sprung durch! Du hast einmal gesagt, dass Du nicht weißt, ob der Sprung jemals wieder zu reparieren ist. Deshalb wundert es mich sehr, dass Du mich bis jetzt noch immer behalten hast, statt mich durch einen neuen Krug zu ersetzen.“

Der Wasserträger jedoch antwortete darauf: „Aber nein – Du bist mir sehr wertvoll!“ Diese Worte konnte der Krug allerdings nicht verstehen. Also erwiderte er: „Verzeih‘ mir, doch das kann ich Dir nicht glauben. Wie soll ich denn wertvoll sein, wenn ich die Anforderung – eine ganze Portion Wasser abzuliefern – nicht erfülle? Einen billigen Trost brauche ich sicherlich nicht! Dann lieber gleich weg mit mir.“

„Nein, nein – Du bist mir wirklich sehr wertvoll! Achte bitte das nächste Mal, wenn wir den Weg entlanggehen, auf den Wegrand. Mach‘ dann die Augen auf und schau‘ Dich dort um!“ forderte der Träger den Krug auf. Also achtete der Wasserkrug am nächsten Tag tatsächlich auf den Wegrand. Und – was sah er da? Er sah, dass auf seiner Seite des Weges Blumen in allen Farben und Formen wuchsen: Vergissmeinnicht, Gänseblümchen, Dotterblumen und viele andere mehr. Sie blühten in den verschiedensten Farbschattierungen, und die Gräser dazwischen leuchteten in sattem Grün. Auf der anderen Seite hingegen, an welcher immer der unversehrte Krug hing, waren nur dürre Gräser und trockene Disteln zu sehen …

— Autor nicht bekannt